Diese Seite benötigt für eine korrekte Ausführung Javascript. Bitte aktivieren Sie Javascript in Ihrem Browser.

Bei Firefox:
Extras->Einstellungen->Inhalt->Javascript aktivieren (ankreuzen)

Bei Internet Explorer:
Extras->Internetoptionen->Sicherheit-Stufe anpassen->Scripting->Active Scripting (auf aktiv stellen)

Bei anderen Browsern nutzen Sie die Hilfe.
Sollten Sie einen Scriptblocker verwenden, erlauben Sie bitte dieser Seite Javascript zu nutzen.
Deutsche Grammophon

Geschichte im Detail

  • 23.03.2007
    | 23.03.2007 | 1960 - 1970
    Von großer Kunst - und Größen der Kleinkunst

    Neue Schwerpunkte bildeten zu Beginn der 60er Jahre das Genre Literarisches Kabarett sowie eine verstärkte Rezeption Bertolt Brechts. Die Erweiterung des Programms spiegelte sich in einer Fülle hochwertiger neuer Einspielungen wider und wurde von wachsenden Publikumskreisen honoriert.

    Nicht die Dichtung um ihrer selbst willen, sondern die Interpretation von Dichtung rückte fortan in den Mittelpunkt der Programmgestaltung. Die Literatur-Aufnahme wurde begriffen als Summe der Leistung des Dichters und des Vortragenden: "... des ausdeutenden, gestaltenden, hörbar-machenden Interpreten." (Marcowicz, 1963).

    Mit der Interpretation als Kunstgattung wuchs das Repertoire-Interesse an der literarischen Kleinkunst: Dieses Gebiet bot nicht nur stärkste gestalterische Möglichkeiten. Auch hatte es seine "Klassiker" - manche von bewährtem, andere von nahezu vergessenem Rang: der unvergleichliche Schauspieler, Tänzer und Komiker Curt Bois, die Diseuse Kate Kühl oder die Altmeisterin des Chansons, ja der café society Vorkriegsberlins, Trude Hesterberg.

    Der Schauspieler Rudolf Forster las hier Autobiographisches aus "Das Spiel mein Leben", Hubert von Meyerinck offenbarte seine Lebenserinnerungen "Meine berühmten Freundinnen". Zu denen zählte die schlanke, herbe Margo Lion, 1928 hatte sie mit einer Partnerin namens Marlene Dietrich u.a. das eindeutig zweideutige Couplet "Wenn die beste Freundin" in der Spoliansky-Revue "Es liegt in Luft" gesungen, um gleichfalls bei der Deutschen Grammophon eine LP gewidmet zu bekommen.

    Auch fanden Chanson-Einspielungen von Greta Keller (gebürtige Wienerin, Vorkriegsberlinerin und - wie so viele ihrer Kollegen - später New York-Emigrantin) oder von Blandine Ebinger, der Muse Friedrich Hollaenders, ihren Weg in den Katalog.

    Neben dieser Avantgarde der 20er Jahre kamen die Stars des Deutschen Kinos und nicht zuletzt jüngere Bühnenkünstler zu Wort: ob grande-dame Lil Dagover, Ufa-Star Grethe Weiser, Charaktermime O. E. Hasse oder zum anderen Hildegard Knef, Oskar Werner und Klaus Kinski.

    Diese historischen Größen beeinflussten übrigens maßgeblich die Entwicklung des jungen Kabaretts in der Bundesrepublik - sowohl die kritische als auch die poetische Richtung. Beide erhielten bei Deutsche Grammophon Literatur Redezeit: Die Münchner Lach- & Schießgesellschaft und Dieter Hildebrandt genauso wie Hanne Wieder oder ein junger Hanns Dieter Hüsch.

    Ab 1965 war die Deutsche Grammophon daran gegangen, sich dem Werk Bertolt Brechts zu widmen: Die LP "Ein Bertolt Brecht Abend mit Therese Giese", der schauspielerischen und rezitatorischen Hausmarke Brechts, erbrachte der Deutschen Grammophon Literatur 1967 zum ersten Mal den Deutschen Schallplattenpreis.