Geschichte

Die Deutsche Grammophon Literatur steht als eines der ältesten Hörbuchlabels der Welt für die Veröffentlichung anspruchsvoller Literatur, sowohl im klassischen als auch im zeitgenössischen Bereich.

1898 gründen Emil Berliner, der 1887 das Grammophon zum Patent angemeldet hatte, und sein Bruder Joseph unter Beteiligung der englischen The Gramophone Company in Hannover die Deutsche Grammophon Gesellschaft mbH. Die Beschlagnahmung als englisches Feindvermögen im Ersten Weltkrieg führt schließlich zur Enteignung. Dem anschließenden Aufkauf durch die Polyphon Musikwerke folgt eine wechselvolle Firmengeschichte vor und während des Zweiten Weltkriegs und schließlich 1937 die Gründung der Deutschen Grammophon AG und 1941 deren Übernahme durch Siemens & Halske. In den Nachkriegsjahren wächst das Unternehmen, nun mit Hauptsitz in Berlin, zur bedeutendsten deutschen Schallplattenfirma heran.

1951 überrascht die Deutsche Grammophon Gesellschaft auf der Funkausstellung mit einer bisher kaum gängigen Technologie – der Langspielplatte. Dadurch können erstmals nicht nur ungekürzte Aufnahmen klassischer Musik, sondern auch Theaterstücke in ihrer Originalfassung aufgenommen werden.

1952 nutzt die Programmdirektorin der Deutschen Grammophon Prof. Elsa Schiller diese neue Möglichkeit und wagt den Start eines literarischen Programms. Bereits im Jahr 1954 zahlt sich das kaufmännische Wagnis aus: die Veröffentlichung von Goethes Faust I in der legendären Inszenierung von Gustaf Gründgens gilt noch heute als ein wichtiges Zeitdokument. Faust I wird in den ersten Jahren 50.000 Mal und bis heute sogar über 250.000 Mal verkauft.

1957 führt der große Erfolg der ersten literarischen Aufnahmen zur Gründung des „Literarischen Archivs“, einer eigenständigen Literaturreihe der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Mitbegründer ist Ernst Ginsberg, dem eine „akustische Handbibliothek der Weltliteratur“ vorschwebt.

1967 erhält die Deutsche Grammophon Literatur für „Ein Bertolt Brecht-Abend mit Therese Giese“ zum ersten Mal den Deutschen Schallplattenpreis.

In den 70er Jahren, die Deutsche Grammophon ist inzwischen Bestandteil des aus Philipps und der Deutschen Grammophon entstandenen Polygram-Konzerns, konzentriert sich die Produktion weitgehend auf die Dokumentation von zeitgenössischem Theater. 1978 wird Vicco von Bülows „Loriots Heile Welt“ veröffentlicht, dessen Werke seither zu den wichtigsten des Repertoires der Deutschen Grammophon Literatur gehören.

1984 debütiert Gert Westphal bei der Deutschen Grammophon Literatur mit ungekürzten Lesungen von Goethes „Die Wahlverwandtschaften“ und Flauberts „Madame Bovary“. Beide Aufnahmen werden mit dem „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ ausgezeichnet. Im Jahr 1987 prägt die Deutsche Grammophon Literatur mit der programmatischen Idee, große Romane wie Manns „Buddenbrooks“ vollständig einlesen zu lassen, den Begriff „Hörbuch“.

Heute ist die Deutsche Grammophon Teil der Universal Music Group. Unter dem Label Deutsche Grammophon Literatur erscheinen bis heute Erzählungen und Romane klassischer und zeitgenössischer Autoren sowie Sachbücher und Monographien. Und immer wieder würdigt die Deutsche Grammophon Literatur auch die Gesamtwerke bedeutender Autoren in großen Editionen wie Thomas Manns „Erzählungen“ oder der einzigartigen Edition „Klaus Kinski spricht Werke der Weltliteratur“.
In der Geschichte der Deutschen Grammophon Literatur hat sich gezeigt, dass es stets die herausragenden Sprecher, Inszenierungen und Autoren waren, die überdauerten. Langfristig müssen erfolgreiche Hörbücher also mehr sein als die bloße Zweitverwertung literarischer Texte. Und das spornt auch die heutigen Macher des Programms immer wieder an.