Kommt ein Text über Nina Hagen ohne die Erwähnung ihres ersten Hits „Du hast den Farbfilm vergessen“, ihrer Masturbationsanleitung in der österreichischen Sendung Club 2 mit dem darauffolgenden Skandal und – seit Neuestem – ihrer inbrünstigen Hinwendung zu Jesus und ihrer Taufe aus? Nein, aber das hat nichts mit journalistischem Einheitsbrei zu tun, sondern liegt einfach daran, dass dies besonders markante Eckpunkte in Nina Hagens Leben sind, die ihre geradezu unglaubliche Biographie umreißen. Im Hörbuch „Bekenntnisse“, das am 19. März 2010 bei der Deutschen Grammophon Literatur erscheint, erzählt sie von ihrem rasanten Leben.
Geboren wurde Nina Hagen am 11. März 1955 als Catharina Hagen im Ostberliner Stadtteil Friedrichshain. Sie wuchs in einer Schauspieler- und Künstlerfamilie auf, so dass es nicht verwundert, dass sie sich recht früh der Musik zuwandte. Ihre erste Songveröffentlichung aus dem Jahr 1974 wurde sogleich ein riesiger Hit: „Du hast den Farbfilm vergessen“ hat bis heute Kultstatus. Zwei Jahre später änderte sich ihr Leben von Grund auf. In einer spektakulären Aktion wurde ihr Stiefvater, der Liedermacher Wolf Biermann, aus der DDR ausgebürgert. Er durfte für ein Konzert in Köln das Land verlassen, allerdings nicht wieder einreisen. Nina Hagen verkündete öffentlich ihre Solidarität mit ihm und drohte schließlich, in die Fußstapfen des regimekritischen Biermann zu treten, sollte sie nicht zu ihm in die BRD gehen dürfen. Vier Tage später konnte sie ausreisen.
In der Hochphase der Punkrockbewegung lebte Nina Hagen in London, wo sie schnell Anschluss an die Band Sex Pistols und deren Umkreis bekam – Sänger Johnny Rotten war ein großer Bewunderer von ihr. Zurück in Berlin brachte Nina Hagen diese Erfahrungen in ihre 1977 gegründete Nina Hagen Band ein, mit der sie sowohl national wie auch international große Erfolge feierte. Besonders ihre außergewöhnliche Art zu singen und zu performen erregte die Gemüter. So beschrieb Spiegel-Reporter Fritz Rumler die außergewöhnliche Sängerin mit folgenden Worten: „Nina Hagen schmeißt sich in die Musik, aggressiv, direkt, furios, orgelt im schönsten Opern-Alt, flitzt mit Krakeel und Kieksern in gleißende Sopran-Höhen, sie parodiert, persifliert, kobolzt wie ein Derwisch auf der Bühne: ein Rock-Sponti, eine geballte Ladung Energie, mit vier Oktaven Stimmumfang.“