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Deutsche Grammophon

Thema

  • 30.01.2012
    Charles Dickens | Charles Dickens Charles Dickens 30.01.2012 | Der kritische Blick
    charles dickens 200. geburtstag schmal

    "Wer noch nicht Dickens gelesen hat, den kann ich beglückwünschen, denn es stehen ihm unerhörte Genüsse bevor. […] Wer vor nichts staunt, der soll Dickens lesen, dann wird er schon staunen lernen." So schrieb einst Robert Walser über seinen Schriftstellerkollegen. Und zweifelsohne gehört Charles Dickens zu den Superstars der Weltliteratur – seine Romane und Erzählungen werden auf der ganzen Welt von Groß und Klein verschlungen. Worin liegt das Geheimnis seines Erfolgs?

    Der vor 200 Jahren geborene Charles Dickens feierte bereits zu Lebzeiten große Erfolge mit seinen sozialkritischen Romanen wie "Der Raritätenladen" (1841) und "Eine Weihnachtsgeschichte" (1843). Als Meister der Selbstvermarktung lockte er bei Lesungen bis zu 5000 Hörer an. Wie kein Zweiter verstand Charles Dickens es, das Trauma seiner Kindheit – die große Armut seiner Familie und die harte Arbeit in einer Schuhwichsfabrik – literarisch zu verarbeiten. Seine Erfahrungen und Ansichten über das England der Industrialisierung bettete er dabei ein in phantasievolle und mitreißende Geschichten.

    Sozialkritik und Phantasiereichtum

    So zeugt auch die spannungsreiche Geschichte des armen Waisenjungen "Oliver Twist" (1838) von Dickens Interesse an der Welt der kleinen Leute und übt eine aus Mitleid erwachsene Kritik an den sozialen Missständen im England des 19. Jahrhunderts. Die Welt, in der der kleine Oliver Twist aufwächst, ist von Elend geprägt:

    „Die Häuser stehen hier auf versinkenden Fundamenten, und ihre Wände sind mit Kot beschmiert. Die Fenster zerbrochen, die Stuben eng und schmutzig, überall Dreck, Unflat und abstoßende Armut. Auf der Jakobinsel Warenhäuser, die leerstehen und kein Dach mehr haben. Die Wände dem Einstürzen nahe, die Fenster ausgebrochen, und die Türen auf der Straße umherliegend. Die Häuser sind ohne Eigentümer und werden nur von denen bewohnt, die gewichtige Grunde haben, sich zu verbergen, oder ganz verarmt sind.“

    Auch wenn es das Schicksal am Ende gut mit Oliver Twist meint – das System, in dem er groß wird, ist gnadenlos und unmenschlich:

    „Hunger und Elend ließen ihn alle Rücksichten vergessen, doch zitterte er, als er sagte: ,Bitte, Herr, ich möchte noch etwas mehr.‘ Der wohlgenährte, rotbäckige Koch wurde bei diesen Worten blass und musste sich am Kessel festhalten. Er blickte mit starrem Entsetzen auf den kleinen Rebellen und stieß schließlich mit schwacher Stimme aus: ,Was?‘ ,Bitte, Herr, ich möchte noch etwas mehr“‘ Da schlug ihn der Küchenmeister mit dem Löffel über den Kopf, packte Oliver bei den Händen und rief laut nach dem Gemeindediener.“

    In der Mischung von Pathos und Realismus, Detailreichtum und Typisierung liegt wohl die bis heute andauernde Faszination der Geschichten von Charles Dickens. Der Erfolg seiner Geschichten blieb schon damals nicht ohne Folgen: "Oliver Twist" bewirkte in seiner Zeit eine Diskussion des Armengesetzes. Wer Dickens liest und hört, der darf Mitleid haben und seine Phantasie beflügeln lassen. Oder, wie es Robert Walser sagte, "staunen lernen".


    Zu den Produkten: "Oliver Twist", "Der Raritätenladen" und "Ein Weihnachtslied"

Themen-Archiv

  • Faszination Krankenhausserie
    15.12.2011 Miss Emergency 15.12.2011

    Faszination Krankenhausserie

    Faszination Krankenhausserie

    15.12.2011

    Miss Emergency

    Miss Emergency

    Heldenhafte Rettungsaktionen in der Notaufnahme? Dramatische Szenen im OP? Millionen von Zuschauern haben Dr. Douglas Ross alias George Clooney in der Serie Emergency Room gebannt zugeschaut, wie er Menschenleben rettete – und ganz nebenher Frauenherzen eroberte. Emergency Room – Die Notaufnahme war nicht nur weltweit ein Quotenhit, sondern auch stilbildend für ein ganzes Genre: Die Krankenhausserie.

    Das Erfolgskonzept: Aufwühlende Patientenschicksale gepaart mit jungen Ärzten, Beziehungschaos und den ganz großen Gefühlen. Darin liegt die Faszination der Krankenhausserie. Man denke an Serienerfolge wie Grey’s Anatomy, Private Practice, Scrubs – Die Anfänger oder Royal Pains. Und nicht nur aus dem angloamerikanischen Raum kommen die Serien: Auch das deutsche Fernsehen hatte und hat einige Highlights zu bieten. Nostalgiker mögen an Die Schwarzwaldklinik – bis heute eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehserien – denken. Der jüngste Erfolg von Doctor's Diary bricht eine weitere Lanze für das Genre.

    Rund um den Schauplatz Krankenhaus lassen sich zahlreiche Geschichten schreiben. Antonia Rothe-Liermann, Co-Drehbuchautorin bei Doctor's Diary, schuf nun die erste Krankenhausserie zum Lesen und zum entspannten Hören: Miss Emergency erzählt die Geschichte von Lena, die in ein aufregendes Praxisjahr im Berliner Krankenhaus St. Anna startet.

  • Hilfe, der Arzt kommt
    28.11.2011 Ozzy Osbourne 28.11.2011

    Hilfe, der Arzt kommt

    Hilfe, der Arzt kommt

    28.11.2011

    Ozzy Osbourne

    Ozzy Osbourne

    „Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich mal einen Ratgeber schreiben würde, hätte ich demjenigen eins auf die Nase gegeben, in der festen Annahme, dass er mich verscheißern will. Wenn es nicht gerade darum geht, wie man sich umbringt oder im Knast landet, bin ich nicht sonderlich qualifiziert. Ich bin Ozzy Osbourne, nicht Oprah Fucking Winfrey.“

    Er hat es getan. Und er ist der lebende Beweis, dass ein Medizinstudium nicht die Grundlage für das Schreiben eines medizinischen Ratgebers sein muss. Ozzy Osbourne, seines Zeichens Rockstar mit über 100 Millionen verkauften Platten, RealityTV-Star und erfahren in Sachen Sex, Drugs und Rock’n’Roll, ist der Kummeronkel des Sunday Times Magazines für „Gesundheitsfragen und Partnerschaft“.

    Was ihn qualifiziert? Zunächst einmal nichts, es sei denn Medikamentenabhängigkeit, Drogensucht, übermäßiger Alkoholkonsum, ein überlebter Genickbruch, ein paar Wochen im künstlichen Koma und allerlei Skandalträchtiges gelten als Qualifikation. Aber eines bringt Ozzy Osbourne mit: einen reichen Erfahrungsschatz. Dazu zählen auch eine fast schon dreißig Jahre andauernde Ehe mit Sharon Osbourne und die Erziehung dreier gemeinsamer Kinder.

  • Holleri du dödel di! - Die Welt des Loriot
    27.10.2011 Loriot 27.10.2011

    Holleri du dödel di! - Die Welt des Loriot

    Holleri du dödel di! - Die Welt des Loriot

    27.10.2011

    Loriot

    Loriot

    Als Loriot am 22. August diesen Jahres verstirbt, verbeugen sich die gesamte deutsche Medien- und Künstlerlandschaft und die Politprominenz vor ihm. Einstimmig wird er zum Meister des Humors, zum größten deutschen Humoristen der Nachkriegszeit ernannt. Die Zeit kürt ihn zum „Pionier“, Schauspielkollege Heinz Meier nennt ihn ein „Universal- und Jahrhundertgenie“.  

    Loriot war stets ein feinsinniger Beobachter der Gesellschaft und ihrer Menschen, sein Humor war jedoch nie ein Angriff. Loriot setzte auf Subtilität. „Wer glaubt, Humor bestehe darin, sich über andere Leute lustig zu machen, hat nichts verstanden“, so sagte er.

    Bei Loriot liegt die Komik im Detail und im Timing. Seine Filme und Sketche, seine Zeichnungen knollennasiger Männer, Frauen und Hunde, sein Humor – all das ist einmalig. Und noch in einem weiteren Punkt sind Loriots Bewunderer sich einig: Sein Werk ist unsterblich und wird unsterblich bleiben. „Tröstlich ist nur“, so Komiker Otto Waalkes anlässlich seines Todes, „dass Loriot in seinen Werken weiterleben wird.“

  • Klaus Kinski und seine Geister
    26.09.2011 Klaus Kinski 26.09.2011

    Klaus Kinski und seine Geister

    Klaus Kinski und seine Geister

    26.09.2011

    Klaus Kinski

    Klaus Kinski

    „Die ich rief, die Geister werd ich nicht mehr los!“

    klagt Klaus Kinski, wenn er Goethes Zauberlehrling seine Stimme leiht. Und er selbst? Wo immer man Kinski sieht, wann immer man Kinski hört, werden Erinnerungen an ihn wach:  Kinski, der Exzentriker, der Wahnsinnige. Kinski, der Psychopath? Aber auch: Das Genie, der begnadete Schauspieler. Eines ist sicher: an Klaus Kinski scheiden sich die Geister, er hat viele Gesichter. Zwischen Hybris und Vorsehung schwankt so auch das folgende Zitat aus seinem Mund:

    „Die Menschen werden von mir sagen, dass ich tot bin. Glaube ihnen nicht. Sie lügen! Ich kann niemals sterben.“

    Und in der Tat. Kinski lebt in seiner künstlerischen Hinterlassenschaft weiter. Dem Ausnahmekünstler kommt man dabei durch sein umfassendes Rezitationswerk besonders nahe. In den Jahren von 1957 bis 1962 nahm er allein 30 Sprechplatten auf. Er gilt seither als der erfolgreichste und bedeutsamste Rezitationskünstler Deutschlands.

  • Liebeserklärung an einen Humoristen
    29.08.2011 Loriot 29.08.2011

    Liebeserklärung an einen Humoristen

    Liebeserklärung an einen Humoristen

    29.08.2011

    Loriot

    Loriot

     

    Erinnerungen in Gegenwartsform

    Ich lasse mir doch von meinem kaputten Fernseher nicht vorschreiben, wann ich ins Bett zu gehen habe. Dieser illustre Satz stammt von einem der größten deutschen Komiker: von Vicco von Bülow alias Loriot. Am 23.08. ist er im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See gestorben. Damit verlieren die Deutschen ihren Meister der Beobachtung, den König des sinnigen und feinen Humors, ihren größten Gesellschaftsparodisten.

    Bülow - 1923 in Brandenburg geboren - entwindet sich den starren Armen des Nachkriegsdeutschlands und schafft Charaktere, die mit ihren Attitüden und widersinnigen Konventionen als Spiegel der Gesellschaft dienen. Er spielt mit dem Mittel der Höflichkeit, an das sich seine Figuren klammern und das ihnen im Ringen um Haltung beisteht. Besonders der Akademiker ist dabei oft Teil seiner Parodien. Man erinnere sich an Herrn Klöbner, der sich mitsamt Doktortitel und einem fremden Mann die Badewanne teilt oder an Herrn Doktor Sommer, der in seinem Forscherdrang einem Hund das Sprechen lehrt. Die Situationen sind skurril, die Reaktionen seiner Figuren – menschlich.

  • Zwei Esel auf Sardinien
    31.05.2011 Jutta Speidel & Bruno Maccallini 31.05.2011

    Zwei Esel auf Sardinien

    Zwei Esel auf Sardinien

    31.05.2011

    Jutta Speidel & Bruno Maccallini

    Jutta Speidel & Bruno Maccallini

    La famiglia è la famiglia, da kann man bekanntlich nichts machen. Wenn die Familie also nach Sardinien ruft, dann muss man dem Ruf folgen – streikende Ziegenbauern, holprige Fahrten in Lieferwagen und ausweglose Gepäcksuche inklusive. Und mitten in diesem Durcheinander sitzen   Jutta Speidel und Bruno Maccallini. Aber der Reihe nach: Eines Tages erhält Bruno einen Anruf seines Cousins Maurizio, der ihn zum Trauzeugen erkoren hat und ihn nach Sardinien zur Hochzeit einlädt. Ein halbes Jahr später sitzt Bruno im Flugzeug zur italienischen Verwandtschaft. Er hat Glück, eine reisefreudige Lebensgefährtin zu haben, die sogar mit einer sardischen Spezialität à la Käse mit Würmern fertig wird. Bleibt die Frage, ob Jutta die Koffer gepackt hätte, hätte sie gewusst, was sie erwartet? Wir sind froh, dass sie nicht gekniffen hat, sonst wäre Zwei Esel auf Sardinien vom deutsch-italienischen Dreamteam wohl nie entstanden. Nach dem Erfolg von Wir haben gar kein Auto… – der abenteuerlichen Fahrradtour von München nach Meran – tauschen die beiden nun Drahtesel gegen Esel. Ihre erste Erkenntnis: Wer mit störrischen Grautieren unterwegs ist, steht manchmal eine halbe Stunde in der Gegend rum. Schneller geht es natürlich mit dem Auto, bequemer ist das nicht immer, wie Jutta erkennen muss:

  • Kampf der Giganten
    29.04.2011 Birand Bingül 29.04.2011

    Kampf der Giganten

    Kampf der Giganten

    29.04.2011

    Birand Bingül

    Birand Bingül

    Man nehme: eine langweilige Stadt, eine machtbewusste CDU-Oberbürgermeisterin und einen streitfreudigen Imam. Und heraus kommt: Der Hodscha und die Piepenkötter, ein Culture-Clash-Hörbuch vom Feinsten. Mit viel Humor und ziemlich böse. Ich will schließlich noch einmal wiedergewählt werden und nicht den Weltfrieden schaffen. Ursel Piepenkötters Ziel lässt sich in einem Satz zusammenfassen. 42 Tage vor der anstehenden Wahl wird die Welt der amtierenden CDU-Oberbürgermeisterin gehörig durcheinander gewirbelt. Der Grund hierfür heißt Nuri Hodscha. Er ist der neue Imam der namenlosen Stadt. Gerade aus Istanbul angereist, kündigt er, ohne Absprache oder Vorwarnung, den Bau einer neuen Moschee an. Sogar von Allah höchstpersönlich bekommt der Hodscha erstmal eine gehörige Rüge für seine unüberlegte Äußerung. „Nuri, du bist ein Schlitzohr“, resümiert Allah in einem Gespräch von Mann zu Gott. Doch richtig entsetzt zeigt sich die Oberbürgermeisterin. Den Bau kann sie nicht zulassen, schließlich will sie ihre christlichen Wähler nicht in die Arme der Konkurrenzparteien treiben. Der Zweikampf ist also eröffnet. Hodscha gegen Piepenkötter – erlaubt ist alles, was Spaß macht und böse ist.

  • Kinskis zweiter Streich
    01.04.2011 Klaus Kinski 01.04.2011

    Kinskis zweiter Streich

    Kinskis zweiter Streich

    01.04.2011

    Klaus Kinski

    Klaus Kinski

    Um Bildschirmgeschichte zu schreiben, brauchte Kinski weder Drehbuch, noch Regisseur. Schon die beiläufige Frage eines Journalisten reichte aus, um den gefürchteten Gesprächspartner Kinski zu verbalen Höchstleistungen anzuspornen. Vielleicht ist das Grund, warum KINSKI TALKS 2 ebenso begeistert wie der Erstling. Drei weitere Juwelen der nicht ganz leichten Unterhaltung mit Klaus Kinski bilden die würdige Fortsetzung. Da hätten wir beispielsweise das berüchtigte Interview, das die 17jährige Désirée Nosbusch mit Kinski 1985 in ihrer Sendereihe Zeit zu zweit führte. Ein Gespräch zweier Generationen, die unterschiedlicher kaum sein können. Glück hat es der jungen Nosbusch allerdings nicht gebracht, denn nach  Ausstrahlung der Kinski-Folge wurde die ganze Reihe abgesetzt und der bisherige Fernsehliebling in eine unfreiwillige Moderatorenpause geschickt. Ein weiteres Highlight ist die NDR Talk Show vom 18.10.1985, dem 64. Geburtstag des Weltstars und sein wilder Flirt mit Alida Gundlach. Skandalträchtige Interviews waren nunmal ein Leichtes für Kinski. Was wahrhaftig und was Schauspiel war, das wusste wohl niemand außer das Enfant Terrible selbst.

  • Das wirklich wahre Leben
    28.02.2011 Olli Dittrich 28.02.2011

    Das wirklich wahre Leben

    Das wirklich wahre Leben

    28.02.2011

    Olli Dittrich

    Olli Dittrich

    Der Mann im Bademantel, mit dem Bier in der Hand, packt sein geballtes Wissen auf den Imbisstisch. Er sagt „insolvent“ und meint doch invalide und er hält „schwere Diagnose“ für eine schlimme Krankheit. Es klingt nicht gespielt - obwohl irgendwo in dieser Imbissbude eine Kamera alles filmt und der Mann im Bademantel gerade in seiner mit dem „Adolf-Grimme-Preis“ ausgezeichneten Rolle steckt. Er spielt Dittsche und Dittsche ist eigentlich Olli Dittrich.  Ja genau, der Mann, der mit Wigald Boning in den 90ern „Die Doofen“ war und sich mit den Songs an die Chartspitze katapultierte. Der Mann, der mit Anke Engelke und ihrem gemeinsamen  „Blind Date“ ein neues Format im deutschen Fernsehen implementierte und der für Dittsche – das wirklich wahre Leben von der Kultur-Journaille geliebt und geachtet wird. Jetzt zeigt Dittrich sein wirklich wahres Leben.  Wie es sich anfühlt eine Institution im Fernsehen zu sein, Musiker, Komiker und Figurenentwickler. Reflektiert, ungeschminkt  und gewohnt witzig blickt er in den Spiegel der Vergangenheit.

    Dort begegnet er beispielsweise seinem 16-Jährigen Ich aus dem Jahre 1972, das mit modischer Raffinesse auf sich aufmerksam macht: Es handelte sich um das Topmodell aus der Litfaßsäulen- Werbung. Eine echte Jinglers-Jeans von C&A, die aber in Wahrheit keine Jeans, sondern eine weinrote Feincordhose mit reichlich Schlag war und am rechten unteren Hosenbein ein Glöckchen hatte. Sie saß perfekt auf den Hüftknochen und ich werde nie vergessen wie ich an jenem Samstagnachmittag im Sommer in die Schlaufen dieser Hose einen zigarettenschachtelbreiten braunen Ledergürtel montierte, dessen vernickelte Schnalle ungefähr das Gewicht eines Wagenhebers hatte. An den Füßen trug ich weiße Clogs. Das waren dicke Holzpantinen mit Lederummantelung und mein hellblaues Hemd war mit weißen Blümchen bedruck. Der Kragen ging mir fast bis zu den Ohren und die Kragenspitzen waren jeweils so groß, wie ein Stück Schwarzwälderkirschtorte.

  • Der Wolf im Manne
    31.01.2011 Chris Boettcher 31.01.2011

    Der Wolf im Manne

    Der Wolf im Manne

    31.01.2011

    Chris Boettcher

    Chris Boettcher

    Männer kriegen keine Kinder, Männer kriegen dünnes Haar, Männer sind auch Menschen, Männer sind etwas sonderbar“. Herbert Grönemeyers Analyse zum Männersein in der 80ern gilt auch heutzutage noch – besonders für den Mann um die 40. Der nämlich kämpft an vielen Fronten. Neben dem dünnen Haar machen ihm auch sein Bauchansatz, die permanente Sexarmut und schreiende Kinder zu schaffen. Gekrönt wird der Alltag dann oftmals noch von einer Ehe, aus der die Erotik gewichen ist, wie Luft aus einem alten Ballon. So ein Leben führt  Werbetexter Tom Schumann: Verheiratet, zwei Kinder, über 40 und von der Midlife Crisis übermannt. Da wird ein Joggingversuch zur Lebensaufgabe und der Kauf eines Spiegels in der Möbelhaushölle Ikea lebensgefährlich.

    Der Comedian Chris Boettcher gibt in Die Krone der Er-Schöpfung seinen krisengebeutelten Geschlechtsgenossen eine Stimme, und das wortwörtlich, denn er liest sein Werk auch gleich selbst. Mit seiner Stimme hat es ohnehin etwas ganz Besonderes auf sich, ist Boettcher doch ein Meister der Parodie. Nach der Niederlage des FC Bayern München im Finale der Champions League gegen Manchester United im Mai 1999 entstand Lothar & Franz. Seine Stimmanpassung an Lothar Matthäus und Franz Beckenbauer brachte ihm Honoren und einen festen Sendetermin beim Radiosender Bayern 3. Dazu kamen dann noch Comedy-Reihen wie Chris Boettchers unglaublicher Fußballstammtisch oder Fränglisch mit Loddar.

  • Die Seelen des Klaus Kinski
    07.12.2010 Klaus Kinski 07.12.2010

    Die Seelen des Klaus Kinski

    Die Seelen des Klaus Kinski

    07.12.2010

    Klaus Kinski

    Klaus Kinski

    Wer war Klaus Kinski? Exzentrischer Schauspieler, schauspielender Exzentriker, ein Wahrheitsverkünder oder ein Wahrheitsverdreher? „Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust“, so sagt es Heinrich Faust. In Kinskis Brust vereinten sich wohl noch mehr. Eine eindeutige Antwort gibt es hier nicht. Vielleicht ein leises Herantasten an einen Mann, der die Dramatik liebte, besonders, wenn er sie selbst erzeugte. Geboren ist der Film- und Theaterschauspieler 1926 in Zappot, das im heutigen Polen liegt. In der Schule will er vor allem durch Abwesenheit und Müdigkeit aufgefallen sein. Dafür rühmte er sich seiner Merkfähigkeit. Über sich selbst sagte er, dass er das neue Testament schon mit sechs Jahren rezitieren konnte. Ob dies die Inspirationsquelle für seine spätere Rolle als Jesus Christus war? 1971 interpretierte er das neue Testament auf kinskische Art. Er tat dies zweimal, in Berlin und Düsseldorf. Während der Abend in Nordrhein-Westfalen ruhig und gleichmäßig verlief, schaffte er in Berlin ein Denkmal des Tumults. Publikum gegen Kinski, hieß es in jener Nacht. Kinski brach aus und wütete. Ein Abend, mit der Kamera festgehalten und später von der Deutschen Grammophon Literatur als DVD Jesus Christus Erlöser veröffentlicht. Mit Kinski zu arbeiten war weder einfach, noch harmonisch. Das bekam auch Regisseur Werner Herzog zu spüren. Bei Dreharbeiten zu Fitzcarraldo 1982 in Peru begann der Schauspieler immer wieder zu toben und rückte Nichtigkeiten in das Zentrum seiner Wut. So schlimm soll es gewesen sein, dass die Ureinwohner nach den Dreharbeiten anboten, Kinski zu töten – erzählte der Regisseur.

  • Wenn Paradiese zerbrechen
    09.11.2010 Don Winslow 09.11.2010

    Wenn Paradiese zerbrechen

    Wenn Paradiese zerbrechen

    09.11.2010

    Don Winslow

    Don Winslow

    Wellenkönig und Detektiv Boone Daniels ermittelt unter der Sonne Kaliforniens.

    Die Wahrheit findet Don Winslow meistens auf der Straße. Denn dort treibt es den Krimiautor aus Kalifornien hin, wenn er für einen neuen Roman recherchiert. Er braucht keine Boulevard-Blättchen oder Polit-Magazine, die ihm sagen, was draußen passiert. Denn Winslow geht zu denen, die den Job machen: Die mit Drogen dealen, für die Mafia arbeiten, sich prostituieren. Wer sonst könnte erzählen, wie diese Welt Noir, die wir nur aus Filmen kennen - und in denen die Bösen aus Prinzip rauchen - wirklich ist. Winslow recherchiert bis zu mehreren Jahren für seine Werke. Dann erzählt er sie uns. In den Krimis Pacific Private und Pacific Paradise lässt er den Hörer in die geschundene Seele seines Protagonisten, des Privatdetektivs Boone Daniels blicken. Ein Surfer, ein Wellenkönig. Boone ist kein Superheld, dafür ist er viel zu menschlich. In Pacific Private erfahren wir, dass er den Polizeidienst quittierte, weil ein vermisstes Mädchen verschollen blieb und der vermeintliche Täter davonkam. „Als der Mann verschwand, verschwand er vollkommen. Vielleicht ist er tot und hat die Wahrheit mit ins Grab genommen. Aber Boone gibt nicht auf. Boone Daniels, eines der friedlichsten Wesen im Universum hat eine 68er in der Wohnung. Niemals nimmt er sie mit nach draußen, hat sie niemals dabei.  Er hebt sie sich nur für den Tag auf, an dem er Russ Rasmussen findet. Dann wird er den Mann an einen abgeschiedenen Ort führen, ihn zum Reden bringen und ihm eine Kugel in den Kopf jagen“. Dann holt ein neuer Fall die Erinnerung zurück. Denn während der pazifische Ozean den Meerestollen perfekte Winde schenkt, floriert der Kinderhandel im Wellenparadies.

  • Des Dichters oberster Mund
    07.10.2010 Gert Westphal 07.10.2010

    Des Dichters oberster Mund

    Des Dichters oberster Mund

    07.10.2010

    Gert Westphal

    Gert Westphal

    Am  05. Oktober wäre der „König der Vorleser“ 90 Jahre alt geworden.

    Den Jazz im Nacken, das Mikrofon vor dem Mund – dann wird vorgelesen. Jazz trifft auf Lyrik beim Südwestrundfunk. Der Jazz kommt von der Platte, das Wort von Gert Westphal, live, im Radio der 50er Jahre. Dann, wenig später, weichen die Platten echten Musikern, Jazzkoryphäen, die nun im Radio spielen, während Westphal ihnen immer wieder in die Musik fällt, um zu lesen: Gottfried Benn, Heinrich Heine oder Magnus Enzensberger. Seine Stimme trägt die Worte der größten deutschen Dichter und Schriftsteller von der Radiostation hinaus in Wohnzimmer, Küche und Auto. Er macht das Radio zum Straßenfeger und ist auch  selbst Radiomacher - als Hörspielleiter bei Radio Bremen und beim Südwestrundfunk. Der Durchbruch als Vorleser gelingt ihm 1963 mit seiner Lesung von Joseph und seine Brüder (Thomas Mann) für den Norddeutschen Rundfunk. An 28 Abenden sendet er seine Stimme für Manns Tetralogie in die Republik hinaus. Bis zu eineinhalb Stunden dauert eine Lesung. Das Pilotprojekt wird so erfolgreich, dass der Fischerverlag eine neue Buchausgabe auf den Markt bringt. Über 200 Texte der Weltliteratur hat der von der Wochenzeitung Die ZEIT gekrönte „König der Vorleser“ aufgenommen.

  • Schweizer Regelwerk trifft auf brandenburgischen Holzfäller-Charme
    07.09.2010 Dieter Moor 07.09.2010

    Schweizer Regelwerk trifft auf brandenburgischen Holzfäller-Charme

    Schweizer Regelwerk trifft auf brandenburgischen Holzfäller-Charme

    07.09.2010

    Dieter Moor

    Dieter Moor

    Dieter Moor zieht um - und tauscht Schweizer Pünktlichkeit gegen brandenburgischen Dorfcharme. Heraus kommen Liebeserklärung und Abenteuerroman zugleich.


    So hat sich Dieter Moor die Ankunft in seinem neuen Zuhause nicht vorgestellt: Die Vormieter seines frisch erworbenen Bauernhofs sind immer noch nicht ausgezogen und die plötzlich hereinbrechende Regenflut lässt die Befürchtung eines schlechten Omens wachsen. Noch dazu verursacht der Anblick seines Blindkaufs einen traumatischen Schockzustand. Denn seine neue Unterkunft entspricht so gar nicht der auf den Fotos. Dabei klang der Name seines neuen Lebensorts doch so vielversprechend: Amerika. Der Schweizer Moderator und seine Frau Sonja landeten jedoch weder in der Metropole New York, noch im sonnigen Los Angeles, sondern in einem 200-Einwohner-Dörfchen in Brandenburg. Trotz allen verständnislosen Kopfschüttelns und zahlreichen Überredungsversuchen von ihren Freunden haben die beiden ihrem Schweizer Leben den Rücken gekehrt, um in Brandenburg mit einem eigenen Biobauernhof einen neuen Anfang zu wagen. Und der sorgt für allerhand Überraschungen.

  • Verkehrte Welt
    04.08.2010 Jan Fleischhauer 04.08.2010

    Verkehrte Welt

    Verkehrte Welt

    04.08.2010

    Jan Fleischhauer

    Jan Fleischhauer

    Der Untertitel trifft den Punkt: „Von einem, der aus Versehen konservativ wurde“. Jan Fleischhauers geistreiche Analyse der deutschen Politstimmung gibt es nun auch als Hörbuch.

     Inzwischen wundert sich kaum jemand, wenn in der Diskussion Begriffe wie „linkskonservativ“ fallen. Politisches Denken, Fühlen und Handeln hat sich in den zwei Jahrzehnten nach der Wende ebenso schleichend wie nachhaltig verändert, so dass manch einer verwundert vor den eigenen Meinungen steht. Jan Fleischhauer ist so ein Fall. Seit 1989 Redakteur beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel  hat er den intellektuellen Wandel am persönlichen Beispiel erlebt und als investigativ geschulter Journalist beschlossen, den Blick auf sich selbst und seine gesellschaftliche Sozialisation zu richten. Das Ergebnis ist ebenso frappierend wie erhellend. Denn so wie er als Spross der Nach-68er zum Teil mit absurden Situationen im Alltag fertig werden musste, ging es vielen, die in dieser Ära etwas auf ihren Scharfsinn und ihre Haltung hielten. Fleischhauer schrieb „Unter Linken“ als Bekenntnisbuch mit realsatirischem Unterton, schuf damit quasi nebenbei eine ungemein treffende Analyse der bundesdeutschen Leitkultur und außerdem einen Bestseller, der kurz nach der Veröffentlichung im Mai 2009 bereits die Sachbuchlisten hinauf wanderte.

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