Deutsche Grammophon

Thema

  • 04.08.2010
    Jan Fleischhauer | Jan Fleischhauer Jan Fleischhauer 04.08.2010 | Verkehrte Welt
    Jan Fleischauer - Unter Linken

    Der Untertitel trifft den Punkt: „Von einem, der aus Versehen konservativ wurde“. Jan Fleischhauers geistreiche Analyse der deutschen Politstimmung gibt es nun auch als Hörbuch.

    Inzwischen wundert sich kaum jemand, wenn in der Diskussion Begriffe wie „linkskonservativ“ fallen. Politisches Denken, Fühlen und Handeln hat sich in den zwei Jahrzehnten nach der Wende ebenso schleichend wie nachhaltig verändert, so dass manch einer verwundert vor den eigenen Meinungen steht. Jan Fleischhauer ist so ein Fall. Seit 1989 Redakteur beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel  hat er den intellektuellen Wandel am persönlichen Beispiel erlebt und als investigativ geschulter Journalist beschlossen, den Blick auf sich selbst und seine gesellschaftliche Sozialisation zu richten. Das Ergebnis ist ebenso frappierend wie erhellend. Denn so wie er als Spross der Nach-68er zum Teil mit absurden Situationen im Alltag fertig werden musste, ging es vielen, die in dieser Ära etwas auf ihren Scharfsinn und ihre Haltung hielten. Fleischhauer schrieb „Unter Linken“ als Bekenntnisbuch mit realsatirischem Unterton, schuf damit quasi nebenbei eine ungemein treffende Analyse der bundesdeutschen Leitkultur und außerdem einen Bestseller, der kurz nach der Veröffentlichung im Mai 2009 bereits die Sachbuchlisten hinauf wanderte.

    Das Geheimnis des Erfolgs liegt dabei in der Mischung aus Lakonik und Präzision, aus biographischem Erleben und am eigenen Beispiel nachvollziehbarem Erkennen von Strukturen, die die scheinbar unabhängige persönliche Meinung sukzessiv und subversiv geprägt haben. Das fängt schon gut an: „Ich kann von mir sagen, ich kenne mich aus mit den Linken, ich habe mein halbes Leben unter ihnen verbracht. Meine Eltern waren links, meine Schulkameraden und die Mehrzahl meiner Lehrer, die Kommilitonen an der Universität und natürlich alle Professoren. Die meisten meiner Kollegen sind es noch heute. Es ist nicht so, dass ich darunter gelitten hätte. Ich bin sehr behütet aufgewachsen, links behütet eben. Meinen ersten Disney-Film habe ich zusammen mit meinen eigenen Kindern gesehen. Als McDonald's eine Filiale in meinem Stadtteil aufmachte, hielt mir mein Vater einen ernsten Vortrag über den verderblichen Einfluss amerikanischer Fastfood-Kultur. Der Genuss meines ersten Burgers war ein Akt jugendlicher Auflehnung; bis heute habe ich bei einem der gelegentlichen Besuche einen Rest schlechten Gewissens“.

    In diesem Ton geht es weiter, unterhaltsam und an der Oberfläche nüchtern, im Kern jedoch bewegt darüber, dass aus dem Hehren des Engagierten letztlich ein zutiefst bürgerliches System geworden ist, das in vielem genau nach den Regeln funktioniert, die eigentlich abgelehnt wurden. Jan Fleischhauer entlarvt die Linken als Verwalter eines Mythos', der mit der Kraft des Moralischen effektiv aufrecht erhalten wird und als gesellschaftliche, politische Instanz den Alltag übernommen hat. Die Essenz dieser Einsichten und Beobachtungen hat der Autor selbst nun auf drei CDs als Hörbuch zusammen gefasst und gelesen. Mit samtener Stimme und einem Duktus, der die Mischung aus Verwunderung und latenter Verärgerung über die Erosion einer Geisteshaltung noch unterstützt, vollzieht er nach, was es heißt, in Zeiten wie diesen eben aus Versehen konservativ zu werden. Mit einem offenen Ende: „Man braucht kein Kulturpessimist zu sein, um sich zu fragen, wie lange das gutgehen kann. Jeden Menschen, der seine fünf Sinne beisammenhat, beschleichen dieser Tage düstere Ahnungen. Nur, an wen soll man sich wenden mit seinen Fragen? An die weltlichen Mächte? Wohl kaum. Die geistlichen? Vielleicht. Aber das ist ein Thema für ein anderes Buch“.

Themen-Archiv

  • Der Beste von allen
    05.07.2010 Johannes Steck 05.07.2010

    Der Beste von allen

    Der Beste von allen

    05.07.2010

    Johannes Steck

    Johannes Steck

    Jo Nesbø schreibt Krimis zum Nägelkauen. Mit „Headhunter“ kreiert der Norweger einen neuen Charakter, der Harry Hole in den Schatten stellen könnte.

    Ein wesentlicher Unterschied zwischen skandinavischen Krimis und der übrigen Welt der Thriller besteht in der Relativität der Moral. Amerika beispielsweise bevorzugt das Happy End, deutsche Autoren geben sich gerne ironisch, analytisch oder auch ein wenig moralisierend. Die Kollegen aus dem hohen Norden hingegen kosten die Dimensionen des menschlichen Gefühls derartig nachhaltig aus, dass man als Leser zuweilen das Frösteln bekommt. Jo Nesbø macht da keine Ausnahme. Roger Brown, der Protagonist mit dem unauffälligen Namen, entwickelt über die Buchlänge hinweg eine Bosheit von dämonischer Normalität, die ihn zum Dieb, berechnenden Mörder und Strategen der Gefühle werden lässt, ohne dass er moralisch zu greifen ist. Alles geschieht um der persönlichen Leidenschaft willen, mit der er sich als Headhunter ständig herausfordert, in seinem Job wie auch darüber hinaus.

    Denn Roger Brown rekrutiert nicht nur Führungskräfte für große Unternehmen, sondern spioniert sie aus. Er nützt seine besondere Stellung als Mittler zwischen den Karrieren aus, sammelt Informationen über Kunstwerke, die im Besitz seiner Kunden sind und schafft es in der Regel, diese Stücke zu rauben und zu verdealen. Als er auf einen holländischen Manager namens Greve trifft, wittert er ein besonderes Schmuckstück, ein seltenes Rubens-Gemälde, das in dessen Besitz sein soll. Es gelingt ihm, das Bild zu stehlen, stößt aber in Greve auf einen erfahrenen, militärisch geübten Widersacher, der die Jagd auf Brown eröffnet. Mit akribischer Raffinesse entwickelt Jo Nesbø das Zusammentreffen der beiden Alpha-Männchen, erzählt aus der Perspektive des Headhunters, der sich angesichts des Kontrahenten in vielen Momenten plötzlich nicht mehr so sicher sein kann wie bisher. Es kommt zum Showdown, der wiederum die Geschichte in Browns Sinne wendet. Der Autor verwendet einen langen Abspann darauf, die Polizei zu schildern, die dem Täuschungsmanöver offenbar aufgesessen ist, und das Netz der Betrügereien aufzuschlüsseln, mit dem dem Headhunter der Coup gelungen ist.

  • Undercover bei den Hells Angels
    09.06.2010 Johannes Steck 09.06.2010

    Undercover bei den Hells Angels

    Undercover bei den Hells Angels

    09.06.2010

    Johannes Steck

    Johannes Steck

    »Vergessen Sie alles andere! Bewegend und erschreckend ... Das informativste und wichtigste Buch über die verdeckte Ermittlung seit Donnie Brasco
    Joe Pistone alias Donnie Brasco

    Dies ist die Geschichte des ersten Bundesagenten, der es schaffte, sich bis in die innersten Kreise der Hells Angels einzuschleusen, die bereits seit Ende der 40er Jahre in den USA als Harley-Crew und verbrecherische Organisation aktiv sind. Es scheint auf den ersten Blick undenkbar, dass sich ein Polizist in den eingeschworenen Männerbund einschleichen konnte. Doch dem Special-Agent Jay Dobyns, einem ehemaligen Footballspieler, gelang das Unmögliche: Er ermittelte verdeckt in den Kreisen der Arizona-Hells Angels, wo er Zeuge zahlreicher Verbrechen wurde – von Waffen-, Drogen- und Menschenhandel, Prostitution bis hin zum versuchten Auftragsmord. Die 2-jährige Untergrundoperation „Black Biscuit“ kostete Dobyns fast seine Familie, seine geistige und körperliche Gesundheit und sein Leben.

    Der schon vorher undercover tätige Spezialist für die Unterwanderung krimineller Gangs bekam Schüsse in den Oberkörper ab, organisierte Tauschhandel mit Maschinengewehren, raste im halsbrecherischen Tempo über die Highways, wurde in einen regelrechten Krieg zwischen den Hells Angels und ihren Rivalen verwickelt – und dies sind nur einige der packenden Erlebnisse, an denen Jay Dobyns den Leser in seiner actiongeladenen Story teilhaben lässt. Sie ist kaum zu glauben, aber wahr.

  • Zwei neue Wortwahl-Highlights: Kinski und Proust
    03.05.2010 Wortwahl 03.05.2010

    Zwei neue Wortwahl-Highlights: Kinski und Proust

    Zwei neue Wortwahl-Highlights: Kinski und Proust

    03.05.2010

    Wortwahl

    Wortwahl

     

    Mit Worten kann man zaubern. Phantastische Welten entstehen, große Gefühle werden erlebt, ein ganzer Kosmos breitet sich aus und inspiriert die Einbildungskraft des Lesers und des Zuhörers. Das ist das Mysterium der Literatur, das Geheimnis der Dichter, denen es seit Jahrtausenden gelingt, die Menschen mit ihren Versen und Geschichten zu begeistern.

    Dies ist auch der Ausgangspunkt für die Hörbuchreihe WORTWAHL, die sich eben solchen Meisterwerken widmet. Homer gehört dazu und Kafka, Goethe und Fontane, T.S. Eliot und Raymond Chandler – ein weites Spektrum von Spannung bis Philosophie und Unterhaltung bis Reflexion. Im Mittelpunkt der Reihe stehen Schlüsselwerke der Literatur, die sich nicht nur durch besondere künstlerische Qualität auszeichnen, sondern zu den Wegmarken des kulturellen Verständnisses gehören.

    Nun sind zwei weitere außergewöhnliche Werke erschienen. In „Kinski spricht François Villon“ entsteht eine faszinierende Welt aus dem französischen Spätmittelalter, sprachlich gekleidet in die eher assoziativen Übertragungen des deutschen Künstlers Paul Zech. Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ist mehr als ein Roman, mehr als ein Zyklus. Es ist ein ganzes Universum, in dem die französische Gesellschaft zur Zeit der Jahrhundertwende wiederaufersteht...

  • Starke Frauen
    22.03.2010 Aufruhr der Liebe 22.03.2010

    Starke Frauen

    Starke Frauen

    22.03.2010

    Aufruhr der Liebe

    Aufruhr der Liebe

    Mit der Französischen Revolution änderte sich nicht nur die politische Ordnung Europas. Der philosophische Keim der Aufklärung, die davon ausging, dass der Einzelne den „Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Immanuel Kant) finden könne, pflanzte dem Menschen insgesamt ein neues Selbstbewusstsein ein, sich gegen Konventionen zu wenden. Eine bislang undenkbare Vorstellung von der Wahrhaftigkeit des Gefühls wurde populär, brachte die Dichter des Sturm und Drangs dazu, empfindsame Jugendhelden wie den „Werther“ zu erfinden, und sorgte auch dafür, dass sich das Frauenbild veränderte. Aus dem erduldenden Weibe wurde die liebende, aber auch fordernde Frau, die in verschiedenen Abstufungen ihren literarischen Niederschlag bei Autorinnen und Autoren wie Jane Austen oder Gustave Flaubert fand. Die neu produzierte Hörbuch-Serie „Aufruhr der Liebe“ wendet sich exemplarisch fünf solch wegweisender Werke zu, die die neue Weiblichkeit des bürgerlichen Zeitalters fokussieren.

     

    Zum Beispiel Jane Austen. Als siebtes von acht Kindern und Tochter eines Landgeistlichen in Steventon im britischen Hampshire hatte sie das Glück, an einen Vater zu geraten, der den Wissensdurst des Mädchens gewähren ließ. Bereits als Zwölfjährige versuchte sie sich an ersten Erzählungen und erwies sich als sprachlich einfallsreich und souverän. Viele ihrer frühen Romane schrieb Austen in jungen Jahren, auch wenn sie erst mit einigem zeitlichen Abstand veröffentlicht wurden. „Stolz und Vorurteil“ (1813) beispielsweise ging ein Briefroman voraus, den sie um 1796/97 unter dem Titel „First Impressions“ skizziert hatte. Im Kern handelt es sich um die Schilderung des Schicksals eines jungen Mädchens auf dem verschlungenen Weg zu ihrer Hochzeit. Allerdings wird dieses Ereignis nicht als übliches Ende einer glücklichen Handlung dargestellt, sondern von vielen Facetten aus betrachtet. Bis die Protagonistin Elizabeth Bennet schließlich bei dem reichen Gutsbesitzer Mr. Darcy landet, müssen erst Stolz und Vorurteile überwunden werden. Erst dann ist den Menschen ihr persönliches Glück hold – allein diese Wendung zur beidseitigen Bewusstwerdung der individuellen Qualitäten, erzählt aus der Perspektive der Frau, stellte für die Literaturgeschichte ein Novum dar.

  • Der Poet wird 65
    17.03.2010 Herman van Veen 17.03.2010

    Der Poet wird 65

    Der Poet wird 65

    17.03.2010

    Herman van Veen

    Herman van Veen

    Eigentlich ist jemand wie Herman van Veen ja alterslos. Seit den Siebzigern bereits gehören die Verse den holländischen Poeten ebenso wie seine gewitzt lakonisch Art, seine Lieder vorzutragen, zu den Juwelen des Konzertbetriebs. Aber die Chronisten belegen es. Am 14. März 2010 wurde Herman van Veen 65 Jahre alt. Aus diesem Anlass erschien seine Biografie „Bevor ich es vergesse“ im Aufbau-Verlag und zwei Tage nach seinem Jubeltag feierte der Entertainer stilecht im Rahmen der lit.Cologne in Köln gemeinsam mit Weggefährten seiner Karriere wie Alfred Biolek und Klaus Hoffmann. Ebenfalls pünktlich zum Geburtstag sind außerdem über das aktuelle Album „Im Augenblick“ hinaus alle Studio- und Live-Klassiker Hermann van Veens als digitaler Download über xxx erhältlich. Einen herzlichen Glückwunsch an den Meister des subtil poetischen Charmes!

  • Bekenntnisse einer Rebellin
    03.03.2010 Nina Hagen 03.03.2010

    Bekenntnisse einer Rebellin

    Bekenntnisse einer Rebellin

    03.03.2010

    Nina Hagen

    Nina Hagen

    Kommt ein Text über Nina Hagen ohne die Erwähnung ihres ersten Hits „Du hast den Farbfilm vergessen“, ihrer Masturbationsanleitung in der österreichischen Sendung Club 2 mit dem darauffolgenden Skandal und – seit Neuestem – ihrer inbrünstigen Hinwendung zu Jesus und ihrer Taufe aus? Nein, aber das hat nichts mit journalistischem Einheitsbrei zu tun, sondern liegt einfach daran, dass dies besonders markante Eckpunkte in Nina Hagens Leben sind, die ihre geradezu unglaubliche Biographie umreißen. Im Hörbuch „Bekenntnisse“, das am 19. März 2010 bei der Deutschen Grammophon Literatur erscheint, erzählt sie von ihrem rasanten Leben.

    Geboren wurde Nina Hagen am 11. März 1955 als Catharina Hagen im Ostberliner Stadtteil Friedrichshain. Sie wuchs in einer Schauspieler- und Künstlerfamilie auf, so dass es nicht verwundert, dass sie sich recht früh der Musik zuwandte. Ihre erste Songveröffentlichung aus dem Jahr 1974 wurde sogleich ein riesiger Hit: „Du hast den Farbfilm vergessen“ hat bis heute Kultstatus. Zwei Jahre später änderte sich ihr Leben von Grund auf. In einer spektakulären Aktion wurde ihr Stiefvater, der Liedermacher Wolf Biermann, aus der DDR ausgebürgert. Er durfte für ein Konzert in Köln das Land verlassen, allerdings nicht wieder einreisen. Nina Hagen verkündete öffentlich ihre Solidarität mit ihm und drohte schließlich, in die Fußstapfen des regimekritischen Biermann zu treten, sollte sie nicht zu ihm in die BRD gehen dürfen. Vier Tage später konnte sie ausreisen.

    In der Hochphase der Punkrockbewegung lebte Nina Hagen in London, wo sie schnell Anschluss an die Band Sex Pistols und deren Umkreis bekam – Sänger Johnny Rotten war ein großer Bewunderer von ihr. Zurück in Berlin brachte Nina Hagen diese Erfahrungen in ihre 1977 gegründete Nina Hagen Band ein, mit der sie sowohl national wie auch international große Erfolge feierte. Besonders ihre außergewöhnliche Art zu singen und zu performen erregte die Gemüter. So beschrieb Spiegel-Reporter Fritz Rumler die außergewöhnliche Sängerin mit folgenden Worten: „Nina Hagen schmeißt sich in die Musik, aggressiv, direkt, furios, orgelt im schönsten Opern-Alt, flitzt mit Krakeel und Kieksern in gleißende Sopran-Höhen, sie parodiert, persifliert, kobolzt wie ein Derwisch auf der Bühne: ein Rock-Sponti, eine geballte Ladung Energie, mit vier Oktaven Stimmumfang.“

  • Das Hörbuch "Wir haben gar kein Auto"
    05.02.2010 Jutta Speidel 05.02.2010

    Das Hörbuch "Wir haben gar kein Auto"

    Das Hörbuch "Wir haben gar kein Auto"

    05.02.2010

    Jutta Speidel

    Jutta Speidel

    Ein Radtour-Reisebericht über die Alpen, von München nach Meran – schon das hört sich spannend an und verspricht reichlich Erlebnisse, von denen man sich noch Jahre später erzählen wird. Aber in dem Buch/Hörbuch „Wir haben gar kein Auto“ geht es um viel mehr: Das Zusammenspiel eines Paares, das nicht nur die schönen Augenblicke teilt und die üblichen Querelen austragen muss, sondern noch zusätzlich aus völlig verschiedenen Kulturkreisen kommt. Die beliebte deutsche Schauspielerin Jutta Speidel und der in seiner Heimat Italien erfolgreiche Darsteller und Regisseur Bruno Maccallini begeben sich auf eine Reise, voll mit witzigen und anstrengenden, absurden und lohnenswerten Momenten, die eine körperliche und emotionale Herausforderung sind und nach der sie eine der schönsten europäischen Landschaften besser kennen – vor allem aber auch sich selbst.

     

    Seit 2003 sind die beiden ein Paar und sowohl in ihren gemeinsamen Filmen als auch als TV-Gäste gern gesehen. Fans mögen ihre Offenheit und liebenswerte Fröhlichkeit, und dass Jutta und Bruno bei aller Popularität so bodenständig geblieben sind. Jutta Speidel, die in ihrer Geburtsstadt München mit ihren Töchtern, ihrer Mutter und einem Hund lebt, ist neben ihrer Schauspielertätigkeit in der von ihr gegründeten Stiftung HORIZONT aktiv, die sich um obdachlose Kinder und ihre Mütter kümmert. Bruno Maccallini ist vielen Deutschen sicherlich als „Cappuccino-Mann“ („Isch abbe gar kein Auto, Signorina!“) und als TV-Schauspieler bekannt, in Italien jedoch steht er erfolgreich auf der Theaterbühne und arbeitet außerdem als Regisseur und Fernsehproduzent. Ihre kulturellen Verschiedenheiten machen jeden Tag ihrer Partnerschaft auf’s Neue interessant und sorgen auch auf ihrer Radtour für zahlreiche komische Momente.

  • Das Hörbuch zum Kinofilm "Ein russischer Sommer"
    06.01.2010 Jay Parini 06.01.2010

    Das Hörbuch zum Kinofilm "Ein russischer Sommer"

    Das Hörbuch zum Kinofilm "Ein russischer Sommer"

    06.01.2010

    Jay Parini

    Jay Parini

    „Vielleicht sind jene Monate, die uns bleiben, wichtiger als all die Jahre, die wir bis jetzt gelebt haben, und sie sollten auf gute Weise gelebt werden.“

    Als Lew Tolstoj seiner Frau Sofja diese Zeilen schreibt, ist der Graben zwischen ihnen bereits unüberbrückbar. Die innere Zerrissenheit Tolstojs steigert sich so sehr, dass er nur einen Ausweg sieht: die Flucht von seinem Familiengut Jasnaja Poljana. Dieses stürmische letzte Lebensjahr eines der größten Schriftsteller der Welt wird in der Lesung „Ein russischer Sommer“, die im Tolstoj-Jahr 2010 am 15. Januar bei der Deutschen Grammophon Literatur erscheint, in hervorragender sechsfacher Besetzung erzählt.

    Das Hörbuch basiert auf dem Roman „Tolstojs letztes Jahr“, den der amerikanische Autor und Universitätsprofessor Jay Parini im Jahr 1990 veröffentlicht hat. In einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion wird das Geschehen um den 82-jährigen Lew Tolstoj gleichsam erdichtet und biografisch dargestellt; denn der letzte Lebensabschnitt des russischen Nationaldichters steht fiktiver Literatur an Spannung, Konflikten und dem Kampf um Ideale in nichts nach. Aus sechs Perspektiven wird dargestellt, wie das Zerwürfnis mit seiner Ehefrau Sofja, der an ihm zerrende Ruhm und die Auseinandersetzungen um sein radikalisiertes, religiöses und gesellschaftliches Verständnis Tolstoj immer mehr verstört. Er entschließt sich, sein gewohntes Leben als adliger Gutsherr für immer zu verlassen und fortan seine christlichen und sozialen Ideale zu verbreiten und umzusetzen.

    Jay Parinis Herangehensweise an diesen Stoff ist dabei die bestmögliche, um der Komplexität des Geschehens gerecht zu werden: Tolstoj und verschiedene Akteure um ihn herum erzählen ihre Sicht, ihre Wünsche, Ängste und Verzweiflungen. So entsteht aus einem Kaleidoskop der individuellen Wahrnehmungen und Empfindungen ein Gesamtbild, aus dem nicht nur Tolstoj, sondern vor allem auch seine Frau Sofja in ihren Entscheidungen zutiefst menschlich und verständlich erscheinen. Der nie wertende Umgang Parinis mit den Menschen um Tolstoj ist Ausdruck seiner Professionalität: Als promovierter Dozent für Englische Literatur und Sprache gelingt es ihm, literaturgeschichtliche Fakten mit der fiktiven Darstellung des Innersten eines jeden Auftretenden gekonnt zu verknüpfen. Parini ging seinem Faible für biografische Stoffe bereits in Werken über Faulkner, Steinbeck und Frost nach. Die Erzählung um Lew Tolstojs Suche nach Erlösung und Sofjas steigende Verzweiflung bildet in diesem Zusammenhang einen Höhepunkt seines Schaffens.

  • Markus Kavka liest John Nivens "Coma"
    07.12.2009 John Niven 07.12.2009

    Markus Kavka liest John Nivens "Coma"

    Markus Kavka liest John Nivens "Coma"

    07.12.2009

    John Niven

    John Niven

    Es gibt sie wirklich, die literarische Gattung des Golf-Romans, jedoch: so richtig den Tiger Woods im Tank hat das Genre eher nicht (nur Golfer werden da widersprechen). Die allermeisten Golfromane sind für Außenstehende genauso lang und langweilig wie das Spiel selbst und dabei sprachlich stark gehandicapt: Waggle, Fade, Hook, Slice, Dogleg, Mulligan – wer soll das bitte lesen?

    Nun ist aber der Ausnahme-Golfroman erschienen: „The Amateurs“ von John Niven. Die deutsche Übersetzung vom Ex-„Intro“-Chefredakteur Stephan Glietsch trägt den Titel „Coma“, und die Hörbuch-Fassung der schwarzen Komödie hat Deutschlands bekanntester Musik-Moderator Markus Kavka eingelesen. Die Wahl Glietschs und Kavkas hängt mit der Pop-Aura Nivens zusammen, der auch in „Coma“ diverse Musik-Anspielungen unterbringt. 2008 veröffentlichte der 41-jährige mit seinem zweiten Roman „Kill Your Friends“ einen Bestseller, der im Sodom und Gomorrha der Musikindustrie spielt; das Hörbuch von „Kill Your Friends“ liest Bela B. von den Ärzten.

    Niven wusste, wovon er schrieb. Vor seiner Schriftstellerlaufbahn, auf dem Höhepunkt des Brit-Pop, ist er (wie der Protagonist von „Kill Your Friends“) ein pompöser A&R-Manager bei einem „Schweine-Major“ gewesen, wo Niven die Bands Mogwai und Travis entdeckte, Coldplay und Muse peinlicherweise ablehnte. Nach einem Burn-Out begann der Schotte für Magazine zu schreiben: FHM, Q und – aha! – für GolfPunk. Der Mann ist vom Fach.

  • Loriot in Ost-Berlin
    04.11.2009 Loriot 04.11.2009

    Loriot in Ost-Berlin

    Loriot in Ost-Berlin

    04.11.2009

    Loriot

    Loriot

    Im November wird Loriot 86 Jahre alt. Man glaubt es kaum, denn der Humorist und Spezialist für den feinen Unterscheid der Beobachtung wirkt auf verblüffender Art und Weise alterslos. Das mag auch daran liegen, dass seine Sketche und pointierten Witze zwar einer Generation des Aufbruchs und der Konsolidierung entspringen, im Kern aber vor allem Allzumenschliches aufs Korn nehmen. Damit wurde Loriot zu einem Star des deutschen Kabaretts und Fernsehens, dessen Humor grenzüberschreitend war, lange bevor die Mauer fiel. Das beweist auch die Aufnahme des Auftritts „Zu Gast in Berlin ...“, wo er gemeinsam mit Evelyn Hamann auf Ost-Berliner Bühne gefeiert wurde, obwohl doch eigentlich niemand West-Fernsehen hätte kennen dürfen.

    Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Besonders dann, wenn man sich eigentlich ertappt fühlt, wie bei Loriots urkomischen Sketchen und Texten. Er ist der Altmeister des hintergründigen Witzes mit den Feinheiten der Überzeichnung, denn seine Figuren behalten genug Realität, um noch als plausibel hingenommen zu werden, sind aber zugleich so absurd, dass man nur noch darüber lachen kann. Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, genannt Loriot nach dem Wappentier Pirol (frz. 'loriot') seiner preußischen Offiziersfamilie, ist dabei ein Tausendsassa. Er schreibt, spricht, spielt, zeichnet, inszeniert, dirigiert, filmt, produziert. Er gehört zum kulturellen Inventar der deutschen Nachkriegsgeschichte...

  • Auf dem Weg zum Klassiker – drei „Wortwahl“-Dramen zum Schillerjahr
    09.10.2009 Friedrich Schiller 09.10.2009

    Auf dem Weg zum Klassiker – drei „Wortwahl“-Dramen zum Schillerjahr

    Auf dem Weg zum Klassiker – drei „Wortwahl“-Dramen zum Schillerjahr

    09.10.2009

    Friedrich Schiller

    Friedrich Schiller

    Aus der historischen Distanz scheint vieles sich zwangsläufig entwickelt zu haben. Gerade eine Persönlichkeit wie Friedrich Schiller (1759-1805), als aufgeklärter Stürmer und Dränger und idealistischer Klassiker, wirkt da gerade in einem Jubiläumsjahr wie ein Monument, fest auf dem Podest literarischer Verehrung verankert. Tatsächlich aber war er ein Zweifler, der mit sich und seiner Welt gerungen hat, um aus der sich scheinbar so glänzend entwickelnden individuellen Freiheit die Grundlagen eines humanen Handelns und Denkens abzuleiten. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ein Drama wie „Die Räuber“ bis heute Regisseure und Schauspieler aus aller Welt zu Interpretationen herausfordert. Zusammen mit „Kabale und Liebe“ und „Wallensteins Tod“ wird  dieses provokante Bühnenstück jetzt als Neuauflage in  der Hörbuchreihe „Wortwahl“ veröffentlicht.

     

    Der Nachhall war zu seiner Zeit selbst für den Autor überraschend. Im Jahr 1781 hatte er auf eigene Kosten sein Drama „Die Räuber“ drucken lassen und schon kurz darauf erfreute es sich in Studenten- und Intellektuellenkreisen zunehmender Popularität. Es war eine revolutionsschwangere Ära und die drastische Geschichte der Familie von Moor inspirierte zahlreiche Zeitgenossen zu Kommentaren. Im Januar 1782 wurde das Stück in Mannheim uraufgeführt, sorgte für tumultartige Szenen und veranlasste den Autor bereits zu Ostern desselben Jahres, eine erklärende Rezension dazu zu veröffentlichen. Das konnte aber nicht verhindern, dass der gereizte Herzog Karl Eugen dem Querdenker, der aus Stuttgart verbotenerweise nach Mannheim zur Uraufführung des Schauspiels gereist war, das Dichten verbot und ihm eine lange Kerkerstrafe bei Zuwiderhandlung androhte. Schiller zog die Konsequenz, verließ die Stadt und zog durch die Lande, bis er 1789 sich schließlich in Jena niederließ und dort eine Professur annahm.

  • Klaus Kinskis - Jesus Christus Erlöser: "Ich bin nicht Euer Superstar!"
    07.09.2009 Klaus Kinski 07.09.2009

    Klaus Kinskis - Jesus Christus Erlöser: "Ich bin nicht Euer Superstar!"

    Klaus Kinskis - Jesus Christus Erlöser: "Ich bin nicht Euer Superstar!"

    07.09.2009

    Klaus Kinski

    Klaus Kinski

    „Ich steige auf den ersten besten Tisch
    und spreche, schreie, brülle, flüstere
    hauche, keuche, weine, lache die Balladen
    des François Villon aus meiner Seele.
    Barfuß, in zerrissenem Pullover und mit
    Schiebermütze, in der ich nach jeder Ballade
    Geld einsammle.“

     

    So beschreibt Kinski seinen allerersten Rezitationsabend im Frühjahr 1952 im Berliner Cafe Melodie. Zehn Jahre später beendet er eine Karriere, die Ihresgleichen sucht, wendet sich von der Bühne ab und dem Film zu. Die zuvor erbrachte Leistung ist rekordverdächtig, umfaßt mehrere hundert Auftritte in zumeist ausverkauften Sälen. In nur 4 Jahren, zwischen 1959 und 1962, nimmt er 30 Sprechplatten auf. Als Deklamator schafft er es 1961 sogar auf die Titelseite vom Spiegel, dort will man wissen, daß „eine Milllion Deutsche ihn gehört haben“ und errechnet über 389 Vorstellungen für die vorangegangenen 3 Jahre. Zu dieser Zeit ist er noch weit davon entfernt ein Weltstar zu sein, hat erst einige Nebenrollen und die ersten beiden Edgar-Wallace-Filme aber noch keine Hauptrolle gedreht. Aber er hat ein Publikum, das Ihn als Literatur-Presley verehrt und der Mythos Kinski ist bereits in aller Munde. 1961 tritt er nur fünfmal auf, dann zwingt ihn ein alter Vertrag zurück in den Tourneealltag. Er möchte das Neue Testament bearbeiten und sprechen, aber der Tourveranstalter winkt ab. Schließlich einigt man sich auf klassische Monologe, die Kinski nicht nur rezitieren, sondern in Kostüm und Bühnenbild spielen möchte. Der Presse erklärt er, dass er nicht Goethe, sondern Kinski sprechen werde. Die Erwartungen sind enorm, die Tournee ist ausverkauft. Die Premiere findet am 13. Oktober 1962 im Berliner Sportpalast statt und wird in der lokalen Presse gnadenlos verrissen.

    Kinskis verhängnisvoller Irrtum besteht schlicht und ergreifend im Übersehen der Tatsache, dass Sprechtheater für Arenen oder Stadien nicht geeignet ist: Zu wenig ist auf den hinteren Rängen zu erkennen. Bei seinen früheren, auf den Effekt zielenden, lautstarken Wortsalven machte das dem Publikum, ähnlich wie bei Rock-Konzerten, nichts aus, war er gut zu verstehen und sein ekstatischer Vortrag mitreißend, aber mit nachdenklicher Stimme, in klassische Gewänder gehüllt, erfüllt Kinski die Erwartungen des Publikums an Großveranstaltungen im Allgemeinen und an ihn im Besonderen nicht. Er verkennt die Ursachen dafür, ist tief beleidigt und beginnt die Stimmung aufzuheizen. Mal wirft er einen Kronleuchter mit brennenden Kerzen ins Publikum, mal stört er sich lautstark am Lachen oder am Husten eines Zuschauers. Er sucht und findet Gründe, die Abende vorzeitig abzubrechen, was ihm bei ungefähr der Hälfte der über 20 Auftritte
    gelingt.

  • Henry Millers "Sexus" - Befreiung durch den Eros
    05.08.2009 Alexandra Kamp 05.08.2009

    Henry Millers "Sexus" - Befreiung durch den Eros

    Henry Millers "Sexus" - Befreiung durch den Eros

    05.08.2009

    Alexandra Kamp

    Alexandra Kamp

    1947 veröffentlicht Henry Miller unter dem Titel „Sexus“ den ersten Teil seiner autobiografischen Trilogie „The Rosy Crucifixion“, der glücklicherweise längst nicht mehr vom Vorwurf der Pornografie begleitet wird. Was man den 600 Seiten dieses Riesen-Romans allerdings immer noch vorwerfen darf, ist der gewaltige und unbezähmbare Hunger nach Leben, den alle Helden Millers teilen. Sie alle sind heimatlos, gierig, ständig unterwegs „wie Eisenbahnzüge“ in der „komplizierten Quersumme von Erlebnissen“, die fortwährend auf sie einstürmen, sie beglücken, enttäuschen, niederschlagen, erheben, und in jedem Fall: überfordern, ohne dass es einen Sinn hätte, zu fragen: Wozu?

     

    Der Drang nach Selbstverwirklichung und das Ausleben jeglicher Gefühlswelten bestimmt dieses literarische Meisterwerk, das wie ein Bericht aus dem Liebesleben eines zeitgenössischen Großstädters klingt. Henry Millers brutale wie romantische Lebendigkeit, seine Zivilisationsverteufelung, seine hymnische und burleske Obszönität, sein optimistischer Anarchismus, sein Geist- und Geniekult, seine Aufschwünge halluzinatorisch-surrealistischer Prosapoesie – das Miller-Repertoire ist eine Anleitung zum Überleben in einer sich auflösenden Gesellschaft, die Genuss im Jetzt sucht und Geschichte obsolet erscheinen lässt. Denn für Henry Miller gibt es keine abgeschlossene Vergangenheit, über die er geruhsam berichten könnte, sondern lediglich ausschweifende Vergegenwärtigungen vergangener Erlebnisse, die in immer neuer Gestalt auftauchen. Er kennt weder die Distanz des bloßen Berichts noch distinkte erzählerische Perspektiven. Sein Roman „Sexus" hat den Charakter eines wildwuchernden Selbstgesprächs: Er ist formlos wie ein Mittsommernachtstraum, lediglich assoziativ zusammengehalten. Alles sieht der Erzähler nur in Beziehung auf sich selber. Außer ihm gibt es keine streng umrissenen Individualitäten. Freunde und Frauen verkümmern zu Schemen. Sie wirken nur als Statisten einer nahezu ekstatischen Monomanie, einer Selbstfeier des Individuums.

  • „Das Tagebuch der Anne Frank“ – eine Mahnung zu Frieden und Freiheit
    10.06.2009 Anne Frank 10.06.2009

    „Das Tagebuch der Anne Frank“ – eine Mahnung zu Frieden und Freiheit

    „Das Tagebuch der Anne Frank“ – eine Mahnung zu Frieden und Freiheit

    10.06.2009

    Anne Frank

    Anne Frank

    Am 12. Juni 2009 wäre Anne Frank 80 Jahre alt geworden. Das Schicksal des deutschen Mädchens jüdischer Herkunft, das mit ihrem Tagebuch eines der bewegendsten historischen Dokumente des Holocaust hinterlassen hat, berührt die Menschheit bis heute und mahnt die Nachwelt, sich Hass und Gewalt couragiert entgegenzustellen. Mit der Hörbuchausgabe der Rowohlt-Monographie "Anne Frank", dem in Koproduktion mit DeutschlandRadio/RIAS Berlin entstandenen Hörspiel "Das Tagebuch der Anne Frank" sowie einer Zusammenstellung von Szenen aus ihrem Tagebuch und dem der polnischen Holocaustüberlebenden Janina David soll ein Teil zur Erinnerung an diese bemerkenswerte und außergewöhnliche junge Frau beigetragen werden, die trotz der Grausamkeit in ihrer Welt immer an das Gute im Menschen geglaubt und an ihrer Liebe zum Leben bis zuletzt festgehalten hat.

    Annelies Marie Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. Kurz nach Hitlers Machtergreifung am 13. März 1933 verließ die Familie Deutschland und zog nach Amsterdam. Dort leitete Annes Vater Otto Frank die Niederlassung einer deutschen Lebensmittelfirma. Noch nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 hielt er an seinem Optimismus fest, dass es sich bei den antisemitischen Ausbrüchen nur um einen „Fieberanfall“ gehandelt habe, der bald vorbei sein werde. Doch nach dem Einmarsch der Deutschen in den Niederlanden wurde Familie Frank schnell klar, dass sie auch in Amsterdam nicht länger vor nationalsozialistischen Übergriffen sicher sein würde. In rasender Schnelle änderte sich das Lebensumfeld der Schwestern Anne und Margot, denn immer neue Judengesetze nahmen ihnen grundlegende Rechte wie das Besuchen einer regulären Schule, die Nutzung von Bibliotheken, Kinos, öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern und brandmarkten sie mit dem Judenstern.

  • Die Gedichte der Grande Dame
    07.05.2009 Hildegard Knef 07.05.2009

    Die Gedichte der Grande Dame

    Die Gedichte der Grande Dame

    07.05.2009

    Hildegard Knef

    Hildegard Knef

    Ella Fitzgerald meinte einmal, Hildegard Knef sei die beste Sängerin ohne Stimme. Das trifft aber nur einen kleinen Teil ihrer faszinierenden Künstlerpersönlichkeit. Denn neben der Musik war sie Schauspielerin, Buchautorin und, wie die Zusammenstellung „Hildegard Knef spricht und singt" eindrucksvoll in Erinnerung ruft, eine famos lakonische, mit einer Prise Selbstironie gesegnete Lyrikerin: „Und ich frag mich Larifari / unter anderem: Warum lauf' ich? / Ich, die vorsichtig, und ängstlich obendrein / Ich, die ohne Ordnung und ein Kenner aller Möglichkeiten unser / Warum lauf ich lauf ich Larifari / pünktlich in Lawinen rein?"

     

    Im Jahr 1963 wanderte die Langspielplatte „So oder so ist das Leben" die deutschen Hitparaden hinauf. Damals war Hildegard Knef 38 Jahre alt und wusste genau, wovon sie sang. Denn die Künstlerin aus Ulm hatte bereits reichlich Irrungen und Wirrungen erlebt, die ihre Karriere begleiteten. Angefangen hatte es noch zu UFA-Zeiten, in deren Trickfilmstudios sie zunächst eine Ausbildung begann. Dort wurde ein Kader des Unternehmens auf sie aufmerksam, ermöglichte ihr eine  Schauspielausbildung und noch vor Kriegsende bekam sie erste Rollen in Filmen wie „Unter den Brücken" oder „Fahrt ins Glück" angeboten. Kurz nach dem Krieg lernte Hildegard Knef dann den US-Offizier Kurt Hirsch kennen, der 1947 ihr erster Ehemann wurde. Sie versuchte erfolgreich ihr Glück als Theaterschauspielerin und wurde noch 1947 von Wolfgang Staudte für den Film „Die Mörder sind unter uns" engagiert, dessen großes Medienecho ihr bald darauf auch Angebote aus den USA einbrachte..

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