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Deutsche Grammophon

Geschichte im Detail

  • 24.10.2005
    | 24.10.2005 | 1954 - 1955
    Ein künstlerisches und kaufmännisches Wagnis

    Auf der Funkausstellung 1951 überraschte die Deutsche Grammophon Gesellschaft mit einem Startprogramm damals noch kaum gängiger Technologie: Zwölf Langspielplatten wurden vorgestellt. Mit klassischer Musik in Neuaufnahmen - unter dem gleichfalls neuen gelben Etikett.

    Zwar konnte die damals - auch bei dieser Firma - noch dominierende zerbrechliche 78er-Schellackplatte mit allen Vorzügen einer fortschreitenden Mikrofontechnik aufwarten. Aber nur mit einem nicht: mit einer verlängerten Spieldauer. Dazu war ihr Rillenschnitt zu breit und tief (aufgrund der bei Verbrauchergeräten bis dato üblichen Stahlnadel-Abtastung). Erst die "Mikro"-Rille machte es möglich - im Gegensatz zur alten "Normal"-Rille - und schließlich eine bislang auf dem Markt unbekannte Umdrehungszahl: 33 UpM. Die Langspielplatte gestattete nicht nur, klassische Musik ungekürzt auf Platten zu bringen. Auch Theaterstücke konnten nun in ihrer Originalfassung wiedergegeben werden.

    Und zu diesem künstlerischen und kaufmännischen Wagnis bedurfte es bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft einer Frau: Prof. Elsa Schiller - "... eine bemerkenswerte Frau", wie es "Knauers Weltgeschichte der Schallplatte" (1966) betont - war 1952 zur Firma gekommen als Programmdirektorin für Ernste Musik und bald, wie es damals hieß, für Sprechplatten.

    Die Alliierten hatten die gebürtige Ungarin, die den Krieg in einem Konzentrationslager überlebte, zunächst zum RIAS in Berlin berufen, in die Leitung der Abteilung für klassische Musik. Denn ehemals war Elsa Schiller als Konzertpianistin aktiv gewesen.

    Ein Jahr nach ihrer Ernennung zur Programmchefin, also 1953, sah die Bilanz der deutschen Schallplatten-Industrie wie folgt aus: 17 Mio. Platten wurden produziert und 15,5 Mio. davon verkauft. Die 78er Schellackplatte hielt mit 88% Marktanteil der Veröffentlichungen noch immer die Spitze.

    Desto größer das Wagnis, künstlerisch und kaufmännisch, mittels der neuen Kunststoff-LP ein Vorhaben außerordentlichen Umfangs für das literarische Programm zu starten.

    Denn bisherige Literatur-Veröffentlichungen besaßen in der Umsatzbilanz nur einen marginalen Stellenwert. Das neue Projekt aber verlangte erhebliche Investitionen. Immerhin begeisterte sich Frau Prof. Schiller hartnäckig dafür, Johann Wolfgang von Goethes Faust I herauszubringen. In der Düsseldorfer Inszenierung von Gustaf Gründgens, die bereits für Furore gesorgt hatte. Komplett auf drei LPs.

    Die Aufnahmen fanden vor Ort statt, im alten Düsseldorfer Schauspielhaus, in der Zeit vom 6. bis 9. Mai und vom 16. bis 18. Juni 1954. Vornehmstes künstlerisches Ziel dabei war es, die Lebendigkeit der Originalaufführung einzufangen; ja, es ging um ein - wie für diese Neuerscheinung der Werbetext formuliert - "Hörerlebnis, das ohne Umwege durch die eindringliche Kraft des Wortes  unser Herz erreicht".

    Auf rund 40.000 Mark beliefen sich die Produktionskosten. Die Kassette wurde zuerst zu 69 Mark, dann zu 75 Mark verkauft; ein besserer Durchschnittslohn in der jungen Bundesrepublik jener Zeit betrug 350 Mark im Monat. Und wer, so wird gefragt, gibt soviel Geld aus, um den Faust I auf Platten zu hören? Sehr viele, wie sich herausstellt, geben so viel Geld aus! Im Verlauf der nächsten Jahre werden 50.000 Kassetten verkauft - ein Weltrekord für Literatur-Aufnahmen. Bis heute sind es weit über 250.000 Tonträger dieser Aufnahme.

    Auf die Düsseldorfer Inszenierung von 1954, mit Paul Hartmann als Faust, folgte dann 1959 der Faust II in Gustaf Gründgens Hamburger Aufführung, diesmal mit Will Quadflieg als dramatischem Widerpart.